Malspiel

Der MalRaum ist ein für MALEN AUS DEM SEIN geschaffener, von der Außenwelt geschützter, Raum.

Durch die wettkampf- und bewertungsfreie Atmosphäre wird er zu einem Ort der Geborgenheit und des Rückhaltes.

Nichts was hier geschieht dringt nach außen.

 

Malspiel für die kleinen und großen Kinder (5 – 99+) :-)

 

FREI FLIEßEN LASSEN AUS DEM SEIN...

 

...ohne Bewertung. Es gibt kein Ergebnis als Ziel, es geht nicht um das Bild, das TUN in der Gegenwart ist das Ziel.

 

Unsere Kinder beginnen früh ihre Spuren zu hinterlassen, besonders mit einem Werkzeug wie einem Stift oder Pinsel in Händen. Dieses frei aus ihnen herausfließen muss geschehen dürfen und zwar ohne Kommentar oder Wertung von Seiten der Erwachsenen, da es von großer Bedeutung für ihre Entwicklung ist!

 

...dieses sich äußern dürfen bringt den Menschen zu sich selbst zurück. Sie schließt dort an, wo er als junges Wesen in seinem Ausdruck behindert wurde. Sie schließt auch dort an, wo die Menschheit den Einzelnen der Gesellschaft unterwarf und in seinem eigentlichen Sein behinderte! (Arno Stern)

 

Das Malspiel findet in einer altersgemischten Gruppe statt um gewohntem Konkurrenzverhalten von vornherein entgegenzuwirken.

 

→ Für Erwachsene kann das Malspiel ein sich freischaufeln von ungünstigen Prägungen sein:

 

- nicht gut genug zu sein

- etwas nicht zu können, nicht malen zu können

- ein entsprechen müssen

- es muss ein schönes, anerkanntes Ergebnis entstehen

- gefallen wollen der Anerkennung wegen

- ein Machen um andere zufrieden zu stellen, weniger aus Eigenmotivation

- Konkurrenz

– besser sein müssen

- sich von Belehrungen und Beeinflussungen befreien

- wieder an sich und seine Fähigkeiten glauben, seine Stärken erkennen

 

→ für Kinder

 

- SEIN, aus Freude und Eigenmotivation Malen

- es frei fließen lassen dürfen

- keine Konkurrenz

- keine Bewertung

- kein entsprechen müssen

- keine Vorgabe

- ihrer angeborenen Kreativität freien Lauf zu lassen

- den in ihnen steckenden Schatz heben

- sich den Glauben an das eigene Schaffen bewahren

 

An einem geschützten Ort wie der Malstube darf dies geschehen ohne Fremdeinwirkung oder Fremdbestimmung.

 

...Das Kind (das Kleine wie auch das Erwachsene) entwickelt eine außergewöhnliche Geschicklichkeit und nimmt es mit den besten Handwerkern auf. Und doch liegt das Ziel des Malortes auf einer anderen Ebene. Es geht hier um die Entwicklung der Persönlichkeit und die Befriedigung eines unberücksichtigten Bedürfnisses. So erreicht jeder eine Ausgeglichenheit, die ihn vor vielen Gefahren bewahrt, ganz besonders vor der Abhängigkeit (Arno Stern)

 

Jeder ist einzigartig und wunderbar so wie er ist, niemand muss entsprechen, alles ist gut so wie es ist, jeder wird geschätzt und respektiert in seinem SEIN!

 

Die Formulation

 

= die Bezeichnung für die unvergleichbare und vielseitige Äußerung

= nicht von der Vernunft eingedämmt

= von keiner Spekulation belastet

= KEINE Kunsttherapie!

= KEINE Kunsterziehung!

 

Im Zuge des Spiels geschieht eine Entwicklung hin zu einem autonomen Selbst.

Es werden innere Potentiale freigelegt, im Malspiel dringt man zu seinem verborgenen Wesen vor.

Wer kreativ sein will, braucht Vertrauen in sich selbst, in seine Fähigkeiten, Fertigkeiten.

 

In der Malstube wird niemals bestaunt, kommentiert, belehrt, interpretiert, gewertet, vorgegeben, verbessert!

 

Der Malraum als Spielraum

Malen kann Kunst sein. Malen kann aber auch Spiel sein.“

Hier soll das Malen ein Spiel sein. Ein Spiel, in dem der Malende aufgehen kann, in dem er seine Welt erschaffen kann, entsprechend seiner Persönlichkeit, seiner Befindlichkeit, entsprechend seinen Bedürfnissen. Ein Spiel, welches er nur für sich spielt, bei dem er aber trotzdem Teil einer Gemeinschaft ist, in der jeder sein Spiel spielt.

Das Malspiel an und für sich ist dabei das Bedeutungsvolle, das Bild ist die Spielwiese, die der Malende nach Ablauf der Malstunde verlässt, zu der er aber wieder zurückkehrt., um das Spiel bei der nächsten Gelegenheit weiter zu spielen!

 

Der Malraum als Freiraum

Das Auffallendste im Malraum ist diese Verschiedenheit – die Verschiedenheit anstelle der überall eingeführten Vereinheitlichung. Allein schon aus diesem Grund kommt es im Malraum niemanden in den Sinn, sich an anderen zu messen. Jeder ist sich dessen bewusst geworden, unvergleichbar zu sein. Es ist niemand bestrebt, anderen überlegen zu sein. Es verschwindet hier etwas aus der Denkweise, das zu den lasterhaftesten Gewohnheiten unserer Gesellschaft gehört: der Wettbewerb.

Beim Malen sind die Malenden frei. Frei, ihrer inneren Spur zu folgen, aufs Papier zu bringen, was ihnen wichtig ist, das zu wiederholen und zu verändern, so oft und genau so, wie es ihnen entspricht.

Das einzige was ich ihnen zeige, soll ihnen helfen, das hochwertige Material achtsam zu verwenden.

 

Ich werte nicht, auch nicht im Sinne von positiver Bestärkung. Ich verhalte mich neutral. Mein Ziel ist es, dass das Malen frei wird von Erwartungen, dass es ein Malen ist, welches nicht für einen Empfänger bestimmt ist, sondern bei dem der Malende seinen eigenen Weg findet und verfolgt.

 

Der Malraum als Schutzraum

Freies Malen braucht Schutz. Schutz vor Deutung und Belehrung.

 

Ein Raum, der nur diesem einen Zweck, nämlich dem Malen, dient, schützt den Malenden noch vor etwas anderem: vor der Flut an Reizen, Angeboten, Einflüssen, die uns tagtäglich umgeben. Hier gibt es Ruhe, Klarheit, Struktur. Und das macht frei.

 

Faktor Zeit, Ungeduld und inwiefern profitieren die Malenden?

 

Wir alle, Kinder wie Erwachsene, haben schon eine Malgeschichte . Sich auf diese Angebot einlassen zu können, braucht Zeit. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Die Bedingungen hier sind speziell: die Malenden bekommen keine Aufträge, keine Ideen, produzieren nicht für einen Empfänger. Das kann zunächst verunsichern, ein Gefühl der Leere entstehen lassen, die der Malende auf seine ganz persönliche Weise füllen kann. Eine solche Entwicklung kann eine Stärkung für den Malenden bedeuten, die weit über das Malen hinausgeht:

  • den eigenen Weg beschreiten

  • mit Schwierigkeiten umgehen und eigenen Lösungen finden

  • an einer Sache bleiben, Kontinuität

  • achtsam und aufmerksam arbeiten

  • frei werden von Erwartungen anderer

  • Ideen, Anfang und Ende finden und selbst bestimmen

 

Die Bilder

Das was in der Malstube im Malraum geschieht, soll geschützt werden, daher werden die Bilder bei mir archiviert. Wichtig für Eltern: Am Ende eines Malspiel-Zyklus dürfen Bilder, mit Erlaubnis der Kinder, jedoch ohne Beisein des Kindes, angeschaut werden. Es erfolgen keine Interpretationen seitens der Malspiel-Dienenden.

Die Spur ist nur lebendig, wenn es kein Nachher gibt.“ Arno Stern

 

 

Ein paar wichtige Grundregeln während der Maleinheit:

 

- nicht über die Bilder sprechen

- Nichts erklären müssen

- keine Fragen über das Bild gestellt bekommen

- es  werden keine Korrekturen am Bild vorgenommen

- die Figuren (wie der Kreis, das Dreieck, das Viereck) dürfen sich im eigenen Tempo des jeweiligen Kindes entwickeln

- der innere Impuls und das, was das Kind im Außen beobachtet, finden hier zueinander

- die Bilder werden in der Malstube archiviert

 

Im MalRaum finden weder negative noch positive Bewertungen jeglicher Art statt.

Lob ist eine positive Bewertung und versetzt Kinder und Erwachsene in Stress, weil sie den Erwartungen des Lobenden entsprechen wollen. Übrigens werden dadurch Kinder darauf gedrillt, anderen zu gefallen und entfernen sich dabei immer mehr von sich selbst. Was für ein hoher Preis!

 

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist: die äußere Ordnung, hergestellt durch den Malpalettentisch, der in der Mitte des Raumes steht und das Zentrum des MalRaumes ist. Am Maltisch befinden sich 18 naturverbundene Farben (chemiefrei), zu denen jeweils 3 Pinsel gehören, 2 Kleine, 1 Großer. Die beiden kleinen Pinsel liegen, auf dem für sie geschaffenen Platz, neben einander, der große Pinsel liegt mittig auf den beiden Kleinen. Das bedeutet: Möchte ein Teilnehmer zum kleinen Pinsel greifen, muss es zuerst den großen Pinsel hochheben. Dies verlangt Aufmerksamkeit und im Moment sein. Nebenbei geschieht hier im MalRaum alles mit Ruhe und Achtsamkeit, sowohl dem Malwerkzeug, als auch den Mitmenschen gegenüber.

 

Was den MalRaum noch besonders macht, ist: die dienende Rolle meinerseits. Jeder Malende darf sich rein auf das Malen einlassen. Möchte ein Malender in der Ecke malen, ruft er: “Reißnagel bitte!”. Meine Aufgabe als Dienende ist es, den Reißnagel zu versetzen und der/die Malende kann ungehindert malen, ohne unterbrechen zu müssen. Beobachte ich, dass sich ein Teilnehmer beim Malen strecken muss, bin ich mit einem Stockerl zur Stelle. Dass im Farbbehälter immer genügend Farbe ist, gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben als Dienende.

 

Die dienende Rolle

  • verändert die Beziehung zw. Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen

  • vermittelt einen respektvollen Umgang: so wie ich bin, bin ich ok

  • mit Respekt und Empathie wahrnehmen, was der andere braucht

  • vermittelt Aufmerksamkeit, ohne sich etwas erkämpfen zu müssen.

  • Kommunikation auf Augenhöhe

  • die Malenden erfahren, unabhängig von ihren Leistungen, Wertschätzung

  • der Malende kann sich voll und ganz seiner spontanen Äußerung hingeben, ohne technische Ablenkungen

 

Was passiert: Die Malenden erfahren Respekt und Aufmerksamkeit, die nicht an Freundlichkeit oder an eine zuvor erfüllte Aufgabe gebunden sind. ICH DARF SEIN!

Schüchterne Menschen trauen sich mit der Zeit Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Das lässt ihre Persönlichkeit stark werden, weil sie erfahren dürfen, so wie ich bin, bin ich o.k.

Hyperaktive Menschen finden klare Strukturen vor und haben so die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen.

 

Das Kind macht die Erfahrung, dass jeder unvergleichbar in der Gesellschaft ist. Es werden keine Fragen gestellt.

Der Erwachsene enteignet das Kind seines Spiels durch Erklärungen, Belehrungen, Fragen...

Bilder die am Fenster aufgehängt werden, wie es in den Kindergärten und Schulen üblich ist, werden zum Vergleich und Bewerten angeboten. Das Kind lernt dadurch auf Erfolg zu spekulieren.

 

3 schädliche Einstellungen:

  • Staunen; ein Universalgefüge muss nicht bestaunt werden

  • belehrende Einstellungen: verbreitet wird angenommen, Kinder müssen korrigiert werden, sonst lernen sie nicht wie es „richtig“ geht, Kinder müsse alles gezeigt werden. Wenn Kinder belehrt werden, können sie meistens damit nichts anfangen, weil es nicht ihrem Tempo entspricht und der ihnen vorprogrammierten Entwicklung....

     

    Kinder sind weder Gefäße die gefüllt werden müssen, noch Flammen, die entzündet werden wollen: sie sind ein brennendes Feuer, das nicht gelöscht werden sollte.“ André Stern

  • Bilder interpretieren; zu glauben, Botschaften im Bild finden zu müssen

 

Es dauert mindestens 1 – 2 Jahre, bis sich die Malenden von Fremdeinflüssen, wie Belehrungen, Bewertungen, positive Bestärkungen, ungünstige Prägungen der Erziehung/Gesellschaft befreien können und MALEN AUS DEM SEIN als solches erfahren werden kann.

 

 

Und jeder, der damit beginnt, erlebt eine Entwicklung,

die vom Fremden zum Eigenen führt – eine Entwicklung,

die ZEIT benötigt.

  

Alles Liebe,

Eure Sabrina

Ich lade Euch ein Euch anzusehen "Wie man Kinderbilder nicht betrachten sollte" und empfehle das gleichnamige Buch: